Kirchenzeitung - 08.02.2002
TORa ET LABORA hält dem 1.FC Köln auch in schweren Zeiten die Treue

KÖLN. Die Trainer beim 1. FC Köln kommen und gehen, doch die Fans bleiben ihrem geliebten Club treu und stehen ihm auch in der Zweiten Liga zur Seite. Doch soweit soll es nicht schon wieder kommen.
Dass Beten gegen den Abstieg allein nicht hilft, haben die Mitglieder des "frommsten Fanclubs" des 1. FC Köln schon gemerkt. Zur Unterstützung und Begleitung der Fußballspieler hat sich der Club mit dem beziehungsreichen Namen "tora et labora" 1999 gegründet. Die Gründer und die ersten Mitglieder entstammen den beiden Müngersdorfer Gemeinden St. Vitalis und St. Pankratius, die in unmittelbarer Nähe zum Müngersdorfer Stadion liegen.
Kaum waren sie beim FC als offizieller Fanclub eingetragen, erhielten sie von einer Kölner Boulevardzeitung ihr Prädikat als "frommster Fanclub" verpasst. Darauf sind sie stolz, diese griffige Aussage haben sich die Mitglieder jetzt auf ihre neue Fanfahne prägen lassen. Bei jedem Spiel ist die Fahne dabei und schon von weitem sichtbar.
Rund 90 Mitglieder hat der Verein, wie Frank Aufermann, im Verein für Marketing zuständig, berichtet. Zu ihnen gehört seit kurzem Weihbischof Manfred Melzer, der sich bereits als großzügiger Sponsor erwiesen hat. Aufmerksam wurde er auf den Fanclub bei einer Firmung in den Gemeinden und hat sich spontan entschlossen, dort Mitglied zu werden. Mit seiner finanziellen Unterstützung konnte die Fahne angeschafft werden. Sponsoren ermöglichen beispielsweise die Live-Übertragung von Auswärtsspielen per Fernsehen im Jugendcafé Junkersdorf.
Ein weiteres prominentes Mitglied ziert die Reihen des Fanclubs. Als Fanclubpate konnte Mittelfeldspieler Alexander Voigt gewonnen werden. Mit diesem Spieler wurde ein waschechter Kölner verpflichtet. Für die nächste Zeit ist geplant, dass sich Voigt im clubeigenen Fußball-Brevier zu Wort meldet. Das Brevier mit neuesten Nachrichten wird kostenlos alle zwei Monate an die Fans verschickt.
Die Mitgliedschaft im "tora et labora" kann sich jeder leisten. Rund zwei Euro pro Session belasten die Geldbeutel der vielen jugendlichen Mitglieder nicht. Doch nicht nur junge Leute gehören dem Club an, auch ein 80-jähriger Fußballbegeisterter ist mit von der Partie. Auf Hilfe von oben hoffen natürlich jetzt alle Fanclub-Mitglieder. Die Angst vor dem Abstieg sitzt ihnen im Nacken. Doch 14 Spiele stehen noch aus. Die Niederlage gegen Kaiserslautern, wenige Tage nach Ewald Lienens Rauswurf, gibt wenig Hoffnung. Frank Aufermann wünscht sich für die Zukunft eine langfristige Lösung der Trainerfrage, er favorisiert Christoph Daum.
Mit Spannung und Interesse verfolgt der Fanclub auch den Neubau des Müngersdorfer Stadions und hofft auf Kölner Beteiligung bei der Fußballweltmeisterschaft 2006. Aber eines ist sicher: Auch wenn der 1. FC wieder ein Zweitligisten-Dasein führen muss (was der liebe Gott verhindern möge!), der fromme Fanclub hält seinem Club auch dort die Treue. Schließlich hatte er sich zu Zeiten gegründet, als der FC schon abgestiegen war. Wahre Fans halten eben in Freud und Leid die Treue zu ihrem Club. Vielleicht hilft diesmal der göttliche Beistand, dass Köln der Abstieg erspart bleibt.

Felicitas Volberg-Rummel