Kölner Stadt-Anzeiger - 16.02.2002
Don Hennes sinniert über die Geißböcke

Ora et labora. Das fasst, in knapper Form, die Spiritualität des Benediktinerordens zusammen: Bete und arbeite. „Tora et labora“ dagegen beschreibt, ganz frei übersetzt, weniger eine Lebens- als eine Spielphilosophie: Schieße Tore und arbeite. Ein simples Erfolgsrezept. Die Spieler des 1. FC Köln verweigern sich derzeit dieser gut gemeinten Aufforderung ziemlich hartnäckig , und so langsam schwindet selbst im Fanclub, der als „der frommste der Stadt“ gilt, der Glaube an den Klassenerhalt.
„Meine persönliche Meinung ist: Das war's“, sagt Frank Aufermann. Der 24-jährige Bankkaufmann ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig im Fanclub „Tora et labora“, den Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinden St. Vitalis und St. Pankratius in Müngersdorf und Junkersdorf im Zweitliga-Jahr 1999 ins Leben riefen. Die Idee lag nahe, die Pfarrkirchen stehen nicht weit vom Stadion entfernt. Eine wie auch immer geartete positive Ausstrahlung dringt derzeit aber ganz offenbar nicht bis zur Arena durch.
Für den Verbleib des FC in der ersten Liga zu beten oder Kerzen für den Erfolg zu entzünden, „das entspricht nicht unseren religiösen Überzeugungen“, sagt Aufermann. Ein Gottesdienst mit Trikot und Schal, wie ihn die Mitglieder zu Beginn ihres letzten Sommerfestes feierten, gehört dagegen sehr wohl zum Vereinsleben. „Dabei ging es aber auch nicht um den Erfolg des FC, sondern um das Thema Teamgeist, darum, dass man gemeinsam mehr erreichen kann als allein“, sagt Aufermann. FC-Stars, hingehört!
Einen von ihnen, Alexander Voigt, konnte der Verein als „Paten“ gewinnen, mit Astronaut Reinhold Ewald zählt ein weiterer Prominenter zu den derzeit 95 Mitgliedern, und vor kurzem hat sich sogar Weihbischof Manfred Melzer den treuen Anhängern im Kölner Westen angeschlossen.
Mit seiner Spende hat sich „Tora et labora“ eine eigene Fahne zugelegt: Sie zeigt neben dem Vereinsnamen und dem Geißbock den Kopf eines freundlich lächelnden, Zigarre rauchenden Ordensmannes. Das ist „Don Hennes“, der auf der Homepage des Vereins ( www.vitalis-pankratius.de/toraetlabora ) die aktuelle Lage der Geißböcke analysiert und kommentiert: die Heimspiele, die sich viele Fans natürlich im Stadion anschauen, und die Auswärtsspiele, die sie gemeinsam im Junkersdorfer Jugendcafé verfolgen. Weitere Infos gibt's in den zweimonatlich kostenlos verschickten Vereinsnachrichten namens - katholisch-korrekt - Brevier.

Matthias Pesch