Kölnische Rundschau - 06.04.2002
Auch Weihbischof Melzer ist Mitglied

Fan sein heißt beim 1.FC Köln auch Realist sein, und so glaubt Frank Aufermann für die heutige Partie gegen Leverkusen im günstigsten Fall an ein Unentschieden "oder aber der FC geht unter".
Dass der Verein absteigen wird, ist für die Mitglieder von Aufermanns Fanclub schon seit Wochen klar. Mit derzeit 99Mitgliedern zählt er unter seinesgleichen schon zu den großen, vor allem aber dürfte er der frömmste sein: "Tora et labora" nennt sich der Club in Abwandlung der benediktinischen Mönchsregel "ora et labora!" ("bete und arbeite!").
Die Clubmitglieder kommen zum allergrößten Teil aus den katholischen Pfarrgemeinden St.Vitalis und St.Pankratius in Müngersdorf. Als der benachbarte FC 1998 abstieg, war dies für viele Pfarrmitglieder Thema. "Wir wollten zeigen, dass wir dem Verein die Treue halten", erklärt Frank Aufermann (24). Ein Jahr darauf war der Fanclub geboren.
Auch heute noch kommen die meisten Mitglieder aus den Gemeinden. Beim Pfarrfest ist der Club mit einem eigenen Stand vertreten, es gab auch schon eine Fanclubmesse im Trikot und Schal. "Dabei wurde allerdings nicht für den FC gebetet", berichtet der Clubsprecher. Dies hielte er andererseits aber auch nicht für verwerflich: "Man betet für so viel, auch für sich; warum nicht auch für den FC?"
Prominentestes Mitglied ist Weihbischof Manfred Melzer, der bei der Firmung in Müngersdorf von "Tora et labora" hörte und spontan Mitglied wurde. Seine großherzige Spende nutzte der Club zum Kauf einer Vereinsfahne. Andere Sponsoren ermöglichen den Mitgliedern, Auswärtsspiele über Bezahlfernsehen im Jugendcafé live mitzuerleben. Als Fanclubpaten gewann "Tora et labora" FC-Spieler Alexander Voigt, ein echt kölscher Jung, der zudem wie Clubpräsident Stefan Grauer in der FC-Jugend gekickt hat und wie er das Gymnasium Kreuzgasse besuchte.
"Fromm", meint Frank Aufermann, vertrage sich auch durchaus mit "locker"; so sei der Club, so ist auch der Auftritt im Internet (www.vitalispankratius.de/toraetlabora): informativ und reichlich respektlos. Der Clubsprecher, von Beruf Bankkaufmann, kriegt übrigens Geld dafür, dass er die FC-Heimspiele sehen darf: Er arbeitet im Stadionwachdienst mit.

Stefan Volberg