Kölnische Rundschau - 05.08.2004
Göttlicher Beistand für'n FC
Böse Zungen behaupten, im ständigen rauf und runter des 1. FC Köln hilft nur noch Beten. Zum Glück gibt es am Rhein einen Fanclub der, diese Form der Unterstützung besonders gut beherrscht. Für ihn reichen himmlische Angelegenheiten weit über das Spielfeld hinaus. Bei „Tora et labora“ haben sich die frommsten Fans des 1. FC Köln zusammengefunden.
Gegründet wurde der Fanclub von Pastoralreferent Tom Döker. „Viele Leute denken ja, die Leute von der Kirche sind weltfremd“, meint der 35-jährige Familienvater, „dabei lesen auch wir am Montag in der Zeitung zuerst den Sportteil.“ Rund 70 Fußballfreunde sind mittlerweile dabei. Männer und auch Frauen, Kinder ebenfalls. Der Älteste ist 80 Jahre alt. Gläubig sind sie alle - doch mit dem viel bemühten Fußballgott haben sie nichts im Sinn. Tom Döker lacht und sagt: „Den gibt es nicht. Der wäre dann ja ein Gott der Bayern!“
„Tora et labora“ gehört zu den katholischen Pfarrgemeinden St. Vitalis und St. Pankratius in den Kölner Stadtteilen Junkersdorf und Müngersdorf - nur wenige Ballwürfe vom RheinEnergiestadion entfernt. Solch eine Nähe inspiriert. Und der Name des Fanclubs ist gelungenes Fußballerlatein: nämlich eine sportliche Abwandlung von „ora et labora“, was „bete und arbeite“ heißt und auf das Generalmotto des Benediktinerordens zurückgeht. „Tora et labora“ soll in die Füße gehen: „Schieße Tore und arbeite“.
Das hat nicht immer genützt. In dieser Saison muss der FC mal wieder aufsteigen. Unbedingt, wie immer. „Es gab schon leise Zweifel an der Erstligatauglichkeit“, bekennt Fanclub-Sprecher Frank Aufermann (25), Kundenberater bei einer Bank. Doch für eine Vermehrung der Treffer ins gegnerische Tor zu beten, das geht Tom Döker dann doch zu weit. Auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die für den FC im Dom eine Kerze anzünden und den Fanschal daneben legen.
Als der fromme Fanclub vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde, waren die Zeiten des für den 1. FC Köln ebenfalls trüb. Der Verein hatte sich damals auch in die Zweite Liga verabschiedet. „Viele von uns waren völlig fertig“, erzählt Frank Aufermann. Deshalb schloss man sich zur Fangemeinschaft „Tora et labora“ zusammen - und so erhielt eine durchhängende Spielertruppe quasi göttlichen Beistand. Im Sommer 2000 stieg der FC dann tatsächlich wieder auf. „Am Anfang gab es in der Gemeinde schon ein wenig Skepsis wegen unseres Fanclubs“, erzählt Döker. Denn trotz des immer noch fortdauernden Fußball-Booms ist für einige ein Fußballfan immer noch Teil einer fürchterlich grölenden Masse. Der Pastoralreferent hat „Tora et labora“ aber auch gegründet, um die Kirche nah an die Lebenswelt der Menschen zu rücken. Er möchte vor allem Jugendliche ansprechen. „Die Zeiten sind vorbei, in denen die Leute einfach so in die Kirche kommen“, so Dökers Diagnose, „wir müssen sie dort abholen, wo sie sich befinden.“ Das kann eben auch das Fußballstadion sein. „Wir machen das aber aus ehrlichem Interesse für den Sport“, betont er. Aufermann fügt hinzu: „Man muss auch nicht katholisch sein, um bei uns Mitglied zu werden.“
Die Fans von „Tora et labora“ pilgern nicht nur ins Stadion, um ihren 1. FC Köln anzufeuern. Prickelnde Spielatmosphäre herrschte auch schon direkt unterm Kirchendach: Die Fans halten zum Pfingstfest schon mal einen stilechten Gottesdienst in Spielertrikots und Schals ab. Tom Döker hielt eine Predigt über die spirituelle Dimension des Fanseins: „Gott ist auch ein Fan“, erklärt er im Rückblick, „ein Fan von den Menschen.“ Und die Apostel können wiederum Vorbild für die Fußballfans sein. „Man kann sich viel von ihnen abgucken.“ Beispielsweise wie sie für ihren Glauben eingestanden hätten, der ja auch ihre Herzensangelegenheit gewesen sei.
Annette Zelner (Foto: Schmülgen)