Amt für Rheinische Landeskunde - 14.12.2005
TORa ET LABORA - Ein rheinisch-katholischer Fanclub

In Köln gibt es den Dom, den Rhein, den Karneval und den 1. FC. Hier stehen echte Fründe zusammen. Hier trinkt, spricht, singt und is(s)t man Kölsch. Hier scheinen die Lebensbereiche klar abgesteckt: Sonntags trifft man sich in der Gemeinde, nach Feierabend kommt man noch auf ein kühles Bier mit den Kollegen am Rhein zusammen, zwischen November und Aschermittwoch heißt es Kölle Alaaf und samstags wird der 1. FC Köln von den Fans in rot-weiß lautstark unterstützt. Doch ganz so klar verlaufen die Grenzen dann doch nicht. Dies beweist der FC-Fanclub TORa ET LABORA, der 1999 von den beiden Müngersdorfer Gemeinden St. Vitalis und St. Pankratius gegründet wurde und sich seither auch über andere Kölner Gemeinden erstreckt.

„Wenn wir Sonntags zusammen beten, warum sollen wir nicht auch unsere Leidenschaft für den FC teilen können?", erwidert Gründungsmitglied und inzwischen Ehrenvorsitzender Tom Döker auf die Frage, wie eine katholische Kirchengemeinde auf die zunächst ungewöhnlich wirkende Idee kommt, einen Fußball-Fanclub zu gründen.

Doch tatsächlich, Kirche und Fußball haben auf den zweiten Blick einiges gemeinsam: Auf der einen Seite singt man das Gloria auf der anderen Seite Viva Colonia, zum Messbesuch trägt man hie und da noch den guten Sonntagszwirn, im Stadion die fein säuberlich bestickte Fußballkutte und auf beiden Seiten gibt es etwas an das man glauben kann. Das verbindet. Warum sollen der Fußball und die Begeisterung für einen Verein dann nicht auch in die Kirchengemeinden einziehen, so wie Skatturniere, Mutter-Kind-Gruppen und ‚faires Handeln'? Schließlich geht es doch hauptsächlich darum, Gemeinschaft zu leben und Begeisterung zu teilen.



Auch wenn man sich häufig noch unter einem Fußballfan einen mit einer Bierdose bewaffneten Krawallmacher vorstellt, muss sich ein Anhänger eines Fußballvereins heute wegen seines Fan-Seins sicherlich nicht schämen. Die Gewalt in den Stadien hat in den letzten Jahren erheblich abgenommen und immer mehr Familien machen ihren Wochenendausflug ins Fußballstadion. Die gute Stimmung im Stadion ist für viele ausschlaggebend für ihre FC-Begeisterung. Gerade in Köln scheint das FC-Fan-Sein in den Genen zu liegen und wird wohl an die nachfolgenden Generationen vererbt. Beim Heimspiel des FC sind Alt und Jung sich einig: „Mer stonn zum FC" und lassen gemeinsam ihren Emotionen freien Lauf. Anders ist sich die immer größer werdende Unterstützung des 1. FC Kölns durch seine Fans, trotz Auf- und Abstiege, nicht zu erklären. „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt", sagt der Pastoralreferent Tom Döker und Vorstandsvorsitzender Stefan Grauer fügt hinzu, dass einige Mitglieder, die zunächst nicht Teil der Pfarrgemeinde waren, über den Fußball neugierig auf die Gemeinde geworden seien. So wird die Gemeinde Fan und der Fan wird Gemeinde.

Inzwischen ist TORa ET LABORA auf 100 Mitglieder herangewachsen. Das sind Menschen aus jeder Altersgruppe und jeder Bevölkerungsschicht. Die Mitgliedschaft ist günstig und nicht konfessionsgebunden. Der Name des Fanclubs TORa ET LABORA, was frei übersetzt „schieße Tore und arbeite" bedeutet und dem Wahlspruch der Benediktinermönche „ora et labora" („bete und arbeite") entlehnt ist, wurde zu einem unerwarteten Selbstläufer. Seit der Gründung des Clubs wird in der Presse viel über ihn berichtet und es entsteht der Eindruck, als erhoffe man sich durch den frommsten Fanclub, wie TORa ET LABORA inzwischen auch genannt wird, göttlichen Beistand für den 1. FC Köln. Aber so wie Gott mit seiner eigenen HERRlichen Kraft Himmel und Erde erschuf, und die Christen ihn dafür ehren und preisen und seinen Geboten folgen, muss der 1. FC Köln wohl auch mit eigener Stärke Großes tun, damit ihn seine Fußballjünger weiterhin verehren. Die Gebote dafür haben die TORas bereits, im Zeichen des rheinischen Katholizismus, der vieles ja nicht so ernst nimmt, verfasst:

1. Du sollst keinen anderen Verein haben neben dem FC!

2. Du sollst Dir kein falsches Bild von der kommenden Saison machen!

3. Du sollst den Samstagnachmittag im Stadion heilig halten!

4. Du sollst Vater und Mutter ehren, weil sie Dir FC-Gene vererbt haben!

5. Du sollst Deinen Gegner nach einer Niederlage nicht vom Dom stürzen!

6. Du sollst nicht ehebrechen, nur weil Deine Frau / Dein Mann das mit dem Abseits nicht kapiert!

7. Du sollst nicht die Meisterschale stehlen, nur um sie einmal im Leben zu sehen!

8. Du sollst nicht lügen, wenn man Dich fragt, was Du über Leverkusen denkst!

9. Du sollst nicht begehren Deines nächsten Spieler, Stadion, Trainer, ...!

10. Du sollst nicht haben wollen, was den allmächtigen Bayern gehört!

©TORa ET LABORA

Wer noch mehr über TORa ET LABORA wissen möchte, kann sich im Internet unter http://www.toraetlabora.de/ umschauen.

Claudia Grimmann (Foto: Schmülgen)