Welt kompakt - 24.03.2006
Glauben, lieben, hoffen

Kölns frommster FC-Fanclub „Tora et Labora“ zwischen Resignation und Gottvertrauen

Für den 1. FC Köln hilft im Abstiegskampf allem Anschein nach nur noch Beten. Wer wäre also besser geeignet, Auskunft über Wohl und Wehe der Mannschaft zu geben, als Frank Aufermann? Schließlich ist er Sprecher von „Tora et Labora“, Kölns frommsten FC-Fanclub. Er sprach mit Katrin Scheib.

WELT KOMPAKT: Herr Aufermann, endet Ihr Nachtgebet derzeit mit dem Satz ‚Oh Herr, laß Podolski öfter treffen’?“

Frank Aufermann: Nein, denn auch damit wäre ja nicht viel zu retten. Selbst, wenn Podolski mehr Tore schießt, werden die anderen zehn Spieler auf dem Platz nicht besser. Im Moment sieht es für uns Fans einfach so aus, als ob die Mannschaft nicht mehr leisten kann und auch nicht mehr an den Klassenerhalt glaubt.

WELT KOMPAKT: Und wie sehen Sie das grundsätzlich – ist es moralisch ok, für seine Mannschaft zu beten?

Aufermann: Ich glaube nicht, daß das etwas bringt. Christlicher Glaube hin oder her, es gewinnen die Besseren. Unser Vorsitzender hat einmal gesagt, wenn es einen Fußballgot gäbe, wäre der Bayer – warum sonst gewinnen die immer?

WELT KOMPAKT: Welcher Teil der Mannschaft ist denn im Moment am meisten auf Beistand angewiesen – Sturm, Mittelfeld oder Abwehr?

Aufermann: Wenn man sich das Torverhältnis anschaut wohl am ehesten die Abwehr. Aber eigentlich könnte die ganze Mannschaft ein wenig Beistand gut gebrauchen, genau wi de Trainer und das Management.

WELT KOMPAKT: Ihr Fanclub entstand in einer katholischen Gemeinde – wie kam es dazu?

Aufermann: Mit dem FC-Abstieg 1998 haben wir gemerkt, wie viele Menschen das beschäftigt. Sonntags nach dem Gottesdienst war das das Gesprächsthema. Schließlich liegt da Stadion ja genau zwischen den beiden Gemeindeteilen in Müngersdorf und Junkersdorf. Also haben wir uns überlegt, fußballinteressierte Menschen zusammenzubringen. Wir wollte den Gemeinschaftsgedanken der Kirche auf den Fußball übertragen und umgekehrt über den Fußball auf kirchliche Themen hinweisen.

WELT KOMPAKT: Und muß man katholisch sein, um Mitglied zu werden?

Aufermann: Nein, da sind wir offen. Wie sollten wir auch überprüfen, ob jemand fromm ist?

WELT KOMPAKT: Wie passen denn die Schmähgesänge, die man im Stadion so hört, zum Gebot der Nächstenliebe?

Aufermann: Beim Spiel ist das normal und gehört dazu Wichtig ist nur, daß man hinterher auch weiß, wann Schluß ist und eine solche Stimmung nicht in den Alltag überträgt.

WELT KOMPAKT: Sie glauben also nicht mehr so recht an Ihren Verein, lieben ihn aber weiterhin. Wie sieht es denn aus mit der Hoffnung? Am Sonntag empfängt Köln schließlic Eintracht Frankfurt…

Aufermann: …und da sollte eigentlich ein Sieg drin sein. Aber mit der Hoffnung bin ich auch schon in die letzten Spiele gegangen. Erfüllt hat sie sich nicht.

Katrin Scheib