SPORT BILD FanReport - 15.08.2007
Post für den Papst - TORa ET LABORA ist Kölns frommster Fanklub
Im November 1999 wurde TORa ET LABORA gegründet. Der Fanklub gehört zu den katholischen Pfarrgemeinden St. Vitalis und St. Pankratius in Junkersdorf und Müngersdorf, wenige Ballwürfe vom Kölner Stadion entfernt. TORa ET LABORA leitet sich vom Benediktiner-Motto ora et labora (bete und arbeite) ab und heißt: Schieße Tore und arbeite. "Wir verlangen keine Taufbescheinigung", sagte Frank Aufermann (29). "Mitglied kann jeder werden, der Freude am Fußball hat." Inzwischen sind es mehr als 80. Der Papst wollte aber nicht. Der Heilige Vater ließ ausrichten, er habe sich zwar über den Schal gefreut, müsse aber all seinen Schäfchen gleich lieb haben.
Ein Schwerpunkt beim kirchlichen Fanklub: die Unterstützung sozialer Projekte. die Mitglieder helfen zum Beispiel zwei nigerianischen Waisen-Kindern. Aber die wichtigste Mission: Bei jedem Heimspiel pilgert die Fangemeinde ins FC-Stadion. Trotz der sportlichen Krise: Kerzen zünden Sie für ihren FC nicht an. "Wir sind nicht abgergläubig", sagt Aufermann. "Gott hat schließlich mit den Bayern schon genug zu tun". Wenn die Mitglieder auch nicht für Tore beten - Gottesdienste in Fankluft halten sie schon ab. "Fußball und Kirche passen mehr zusammen als man glauben mag", so Aufermann. "Beides ist eine Herzensangelegenheit". Die Mitglieder versuchen auch, christliche Ideale in die Stadien zu tragen. "So kann sich die Kirche volksnah präsentieren", sagt Aufermann. "So wie es das Evangelium fodert".
Trotz göttlicher Begeisterung - den als Messias gefeierten Trainer Christoph Daum sehen die frommen Fans skeptisch. "Es gibt nur einen Messias. Und der brauchte kein Spitzengehalt, um die Leute von den Sitzen zu reißen", sagt Aufermann. "Das kölsche Double ist da bei allem Respekt bisher weniger erfolgreich." Dennoch hat der Fanklub seinen Glauben an Daum und den FC noch nicht verloren.
Für die SPORT BILD schrieb Bastian Wünsch